Journal by Fax MANAGEMENT HYPERTONIE
JOURNAL BY FAX

Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

4. Jahrgang 2004; Nr. 9

„Low Nephron Number” als Ursache der arteriellen Hypertonie

Die „low nephron number”-Hypothese besagt, dass das angeborene Vorhandensein von zu wenig Nephronen die Entstehung einer arteriellen Hypertonie begünstigt.
Nephrone sind die Funktionseinheiten der Niere und bestehen aus dem Glomerulus und- dem Tubulusapparat. Die menschliche Niere besitzt zwischen 500.000 und etwa 1,5 Millionen solcher Funktionseinheiten. Die Zahl der Nephrone wird pränatal festgelegt und im weiteren Leben können keine Nephrone mehr gebildet werden.
Verschiedene Beobachtungen haben zunächst zu der Ansicht geführt, dass die Niere das Organ sei, das für die Entstehung der essenziellen Hypertonie verantwortlich ist. Am eindrücklichsten sind tierexperimentelle Tranzplantationsuntersuchungen: Man transplantierte Nieren aus spontan hypertensiven Ratten in einen Kontrollstamm. Dadurch ließ sich in den normotensiven Kontrollen eine Hypertonie auslösen. Zweitens gelang es, eine Hochdruckentstehung in spontan hypertensiven Ratten durch die Transplantation von Nieren aus Kontroll-Ratten bei gleichzeitiger Binephrektomie zu verhindern. Drittens konnte in Beobachtungsstudien an menschlichen Nierentransplantierten gezeigt werden, dass normotensive Patienten, die das Organ eines hypertensiven Spenders erhielten, in der Folge eine arterielle Hypertonie entwickelten. Und viertens zeigen Nierentransplantierte, deren Organ von einem Spender mit zerebraler Blutung stammt - bei dem also eine arterielle Hypertonie vermutet werden kann - in der Folge einen höheren Blutdruck als Transplantierte von Spendern mit anderer Todesursache.
Diese Daten lassen sich mit dem Satz zusammenfassen: Der Hochdruck geht mit der Niere.

Ein möglicher renaler Faktor, der die Hochdruckentstehung begünstigt, ist eine verringerte Nephronzahl: Ein bekanntes Modell der Hochdruckentwicklung nach Reduktion der Nephronzahl ist das Modell der 5/6 nephrektomierten Ratte. Hier kommt es durch die deutliche Reduktion der Nierenmasse und damit der Nephronzahl zur Entwicklung einer arteriellen Hypertonie. Diese Hypertonie ist durch Transplantation einer intakten Niere und damit Erhöhung der Nephronzahl wieder beseitigbar.
Amann K. und Kollegen untersuchten in einer Autopsiestudie Nieren hypertensiver Unfallopfer und normotensiver Kontrollen. In den bei der Autopsie gewonnenen Nieren wurde die Zahl der Glomeruli, die ja der Nephronzahl entspricht, bestimmt. Es zeigte sich, dass die mittlere Zahl der Nephrone in den normotensiven Nieren bei ca. 1,4 Millionen lag und bei den hypertensiven nur etwa halb so hoch war. Es fanden sich keine Anzeichen für einen durch die arterielle Hypertonie hervorgerufenen ausgeprägten Nephronverlust. Diese Studie stellt zur Zeit die beste Evidenz für den Zusammenhang von Nephronzahl und essenzieller Hypertonie beim Menschen dar.

Bei Rückfragen oder Interesse an Literatur zu diesem Thema stehen wir Ihnen unter der Fax-Nr. 089/57095-126 gerne zur Verfügung.
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