Journal by FaxMANAGEMENT HYPERTONIE
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Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

5. Jahrgang 2005; Nr. 7

Zur Entwicklung der 3 Hypertonieformen:
systolische, diastolische und kombinierte Hypertonie
Die Framingham Heart Study ist auch nach Jahrzehnten immer wieder ein Quell neuer Erkenntnisse. Die neuesten Daten bringen Licht in die bisher nur nebulösen Vorstellungen von den Zusammenhängen zwischen diastolischer und systolischer Hypertonie, deren (unterschiedliche?) Ursachen und die Entwicklung der verschiedenen Hypertonieformen im Verlauf der Jahre1. Welche Faktoren führen zur diastolischen Hypertonie, welche zur systolischen Hypertonie, und gibt es einen Übergang von der isolierten diastolischen (IDH) in die isolierte systolische Hypertonie (ISH)? Diese Kernfragen der Hypertensiologie kann Framingham nun beantworten: im Vergleich zu Personen mit optimalem Blutdruck (< 120/80 mm Hg) haben Personen im normalen und noch-normalen Blutdruckbereich (120 - 139/80 - 89) ein relatives Risiko (RR), im Laufe der nächsten 10 Jahre folgende verschiedene Hypertonieformen zu entwickeln: RR 6 für eine isolierte diastolische Hypertonie, RR 11 für eine diastolische und systolische Hypertonie (SDH), RR 8 für eine isolierte systolische Hypertonie. Patienten mit einer IDH haben ein RR von 23 für die Entwicklung einer SDH und nur von 1,4 für eine ISH. Vor allem jüngere und übergewichtige Männer entwickelten eine diastolische Hypertonie. Mehr als 70 % der Patienten mit isolierter diastolischer Hypertonie haben ein metabolisches Syndrom. Eine isolierte systolische Hypertonie entwickelten bevorzugt ältere Frauen, die im Verlauf der Beobachtungszeit an Gewicht zunahmen.

Damit bestätigt sich die Vorstellung, dass isolierte diastolische und isolierte systolische Hypertonie zwei (völlig) verschiedene Kollektive betrifft2, und die IDH in jüngeren Jahren in der Regel nicht in die ISD im höheren Lebensalter mündet, im Sinne einer „ausgebrannten” diastolischen Hypertonie. Die IDH ist jedoch sehr häufig Vorläufer der kombinierten systolischen und diastolischen Hypertonie. Wie zu erwarten, kommt die Entwicklung in „umgekehrter” Richtung von der ISH zur IDH mit einem RR von 0,6 praktisch nicht vor.

 IDHISHSDH
optimaler BD
(< 120/80 mm Hg)
„Kontrollgruppe”
normaler BD
(120 - 129/80 - 84)
2,75*3,26*3,23*
noch normaler BD
(130 - 139/85 - 89)
3,29*4,82*7,96*
zusammen6,048,0811,19
IDH---1,39 n.s.23,12*
SDH1,31 n.s. 1,69*---
ISH0,61 n.s. ---7,10*
*signifikant
Tab. 1: Relatives Risiko für die Entwicklung einer isolierten diastolischen Hypertonie (IDH), einer systolischen und diastolischen Hypertonie (SDH) und einer isolierten systolischen Hypertonie (ISH) in den verschiedenen Hypertonieklassen und untereinander.

Man kann davon ausgehen, dass diese Beobachtungen zur Entwicklung der verschiedenen Hochdruckformen aus dem optimalen BD-Bereich heraus repräsentativ, und insbesondere auch auf deutsche Verhältnisse übertragbar sind. Demnach entwickelt sich bei einem Viertel der erwachsenen Bevölkerung mit optimalem BD im Laufe von 10 Jahren eine Hypertonie: am häufigsten eine systolische und diastolische Hypertonie, gefolgt von einer isolierten systolischen und einer isolierten diastolischen Hypertonie. Bemerkenswerte Übergänge von der einen in die andere Form finden sich nur von der IDH und geringer von der ISH in die kombinierte Hypertonie. Zwischen IDH und ISH gibt es keine nennenswerten Übergänge. Bei beiden Hypertonieformen spielt aber das Gewicht eine überragende Rolle: bei der IDH in jüngeren Jahren, bei der ISH im Alter. Diese Erkenntnisse haben große Bedeutung für Prävention und Behandlung.

Martin Middeke, München

Literatur: 1. Franklin SS, Pio JR, Wong ND et al. (2005) Predictors of new-onset diastolic and systolic hypertension: the Framingham Heart Study. Circulation 111: 1121-1127 [Abstract] 2. Weiterführende Literatur zum Thema: Middeke M (2005) Isolierte diastolische Hypertonie. In: Middeke M (2005) Arterielle Hypertonie, Thieme Stuttgart (235 Seiten, 259 Abbildungen, 78 Tabellen, ISBN 3-13-126521-3)
Rückfragen zu diesem Thema richten Sie bitte an die Fax-Nr. 089/57095-126.
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