Journal by Fax MANAGEMENT HYPERTONIE
JOURNAL BY FAX

Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

3. Jahrgang 2003; Nr. 05

Starke Blutdruck-Schwankungen bei Baroreflexversagen

Baroreflexversagen ist eine Erkrankung, die in vielen Fällen nicht oder sehr spät diagnostiziert wird. Die Erkrankung beruht auf einer beidseitigen Schädigung des afferenten Teils des Baroreflexes. Dabei können die Barorezeptoren, afferente Nervenbahnen oder afferente Hirnstammkerne beteiligt sein. Bei der Mehrzahl der Patienten ist die Ursache, die Schädigung der Baroreflex-Afferenzen, aus der Anamnese ersichtlich. Häufigste Ursache sind ausgedehnte chirurgische Eingriffe (z. B. „Neck Dissection”) und Strahlentherapie im Halsbereich. Die Information über Änderungen des systemischen Blutdrucks kann nicht mehr zum Gehirn weitergeleitet werden. Das Gehirn steuert den Blutdruck, ohne durch den Baroreflex gedämpft zu werden. Die Mehrzahl der Patienten, bei denen später Baroreflexversagen diagnostiziert wird, fallen durch stark schwankende hypertone Blutdruckwerte auf. Die arterielle Hypertonie kann episodenhaft auftreten oder über längere Zeit anhalten. Auch bei anhaltender Hypertonie schwankt der Blutdruck sehr stark. Während hypertensiver Phasen sind systolische Blutdruckspitzen bis 280 mm Hg beschrieben. Die Patienten bemerken häufig Wärmegefühl, Palpitationen, Flushing und verstärktes Schwitzen. Typische Auslöser für die hypertensiven Episoden sind psychische Belastungen, körperliche Aktivität und Schmerzen. Einige Patienten leiden auch unter episodenhaft auftretender Hypotonie und Bradykardien. Diese Episoden treten vorwiegend in Ruhe auf, wenn die kortikale Aktivierung des Sympathikus vermindert ist. Ausgeprägte orthostatische Hypotonie ist nicht typisch für Baroreflexversagen.
Differentialdiagnostisch muss Baroreflexversagen von einem Phäochromozytom, Nierenarterienstenose, Panikattacken, Hyperthyreose, Alkoholentzug oder Drogenkonsum (z. B. Kokain) abgegrenzt werden.

Literatur: 1. Robertson D, Hollister AS, Biaggioni I et al. (1993) The diagnosis and treatment of baroreflex failure. N Engl J Med 329(20): 1449–1455 [Pubmed Abstract] 2. Jordan J, Shannon JR, Black BK et al. (1997) Malignant vagotonia due to selective baroreflex failure. Hypertension 30(5): 1072–1077 [Full text] 3. Jordan J (2002) Baroreflexversagen als Ursache für extreme Blutdruckschwankungen: Was tun, wenn die Blutdruckregulation den Geist aufgibt. Münch Med Wschrift 43: 929–930
Bei Rückfragen oder Interesse an Literatur zu diesem Thema stehen wir Ihnen unter der Fax-Nr. 089/57095-126 gerne zur Verfügung.
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