MANAGEMENT HYPERTONIE| Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, Bad Krozingen; H.-D. Faulhaber, Berlin; M. Middeke, München; P. Stolte, Münster |
8. Jahrgang 2008; Nr. 1 |
| Hypertonie als Risikofaktor in unterschiedlichen SCORE-Systemen |
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Die arterielle Hypertonie (HTN) spielt bei allen Score-Systemen zur Risikostratifikation (RS) eine bedeutsame Rolle. Aus Meta-Analysen geht hervor, dass bei einem um 20 mm Hg niedrigeren Blutdruck (RR) das relative Risiko für Tod als Folge von Schlaganfall, KHK oder anderen vaskulären Todesursachen um 46 – 64%, in Abhängigkeit vom Ausgangsalter vermindert ist (s. Tab. 1).
Trotz Abnahme der relativen Bedeutung des RR mit dem Alter nimmt wegen einer höheren Ereignisrate die absolute Bedeutung der HTN für CV-Ereignisse zu. Ein syst. RR-Unterschied von 20 mm Hg und ein diast. von 10 mm Hg sind von vergleichbarer prognostischer Auswirkung. Das Risiko für vaskulär bedingte Ereignisse nimmt ab einem RR von 115 mm Hg syst. und 75 mm Hg diast zu. Der syst. RR hat eine etwas bessere Aussagekraft, teilweise, weil im Alter ein niedriger diast. RR eine hohe Pulsamplitude und damit eine fortgeschrittene Gefäßschädigung anzeigt2. Durch eine RS soll nicht nur bei Personen mit einzelnen stark ausgeprägten RF, sondern auch bei solchen mit mehreren RF im mittleren Bereich das Bewusstsein für eine erhöhte Gefährdung geweckt werden. Dies kann in Deutschland mit adjustierten Risikocharts der ESC mit SCORE4, dem PROCAM-Algorithmus und dem Framingham-Risiko-Score4 erfolgen. Diese schöpfen ihre Aussagen jedoch aus unterschiedlichen Datenbasen, benutzen unterschiedliche Parameter zur RS und beurteilen unterschiedliche Endpunkte. In allen drei Systemen wird der syst. RR zur RS genutzt. Eine vergleichende Aufstellung der von den 3 Score-Systemen genutzten Parameter, der Zielereignisse als Risikoendpunkt und der Schwelle zum |
Hochrisikobereich, ist in Tabelle 2 aufgeführt. Die Risikoeinschätzung kann auch bei Eingabe identischer Daten zwischen den 3 Scores unterschiedlich ausfallen. Wegen der im ESC-SCORE erfassten höheren RR-Werte (bis 180 mm Hg) werden im ESC-SCORE die RR-abhängigen Endpunkte (Schlaganfall, Aortenruptur, PAVK), im PROCAM- und Framingham-Risk-Score die Chol.-abhängigen Endpunkte (Herzinfarkt) stärker abgebildet.
Deshalb ist ein Vergleich der Risikobeurteilung zwischen den Score-Systemen sinnvoll4 Bsp.: 60j. Patientin mit syst.RR 180 mm Hg, Nikotin 30 Zig/Tag, Chol 200 mg/dl: Beim ESC-SCORE ist das 10-Jahres-Risiko für CV-Tod 9 % und damit im Hochrisiko-Bereich, während das Risiko im PROCAM-Algorithmus für Herzinfarkt 9 % ist, damit noch im Niedrig-Risiko-Bereich. Bei einer Familienanamnese für KHK erhöht sich das Risiko nach PROCAM auf 14 % in den intermediären, bei Vorliegen eines Diabetes auf 40 %! Ein systematischer Vergleich der Ergebnisse der drei Score-Systeme kann mit dem CARRISMA-System erfolgen, das Hilfestellung bei der zusätzlichen prognostischen Beurteilung der Lebensstilfaktoren Adipositas, quantifizierter Zigarettenkonsum und regelmäßiger körperlicher Aktivität gibt. Eine RS ist bei allen Hypertonikern vor einer medikamentösen Therapie indiziert. Ein Vergleich der Ergebnisse von PROCAM und ESC-SCORE ist zur umfassenden Risikoeinschätzung sinnvoll.Prof. Dr. Helmut Gohlke, |
| Literatur: 1. Prospective Studies Collaboration (2002) The Lancet 360: 1903-1913 2. Protogerou AD et al. (2007) Hypertension 50: 172-180 3. Mancia G et al. (2007) ESH-Guidelines. Eur Heart J 28: 1462-1536 4. Gohlke H (2007) Clin Res Cardiol Suppl 2: V/10–V/17 |
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