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MANAGEMENT HYPERTONIE JOURNAL BY FAX
Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH |
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| Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte |
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4. Jahrgang 2004; Nr. 1 |
Vom „superdipper” zum „extreme dipper” | |
Wie kaum eine andere biologische Funktion, zeigt der Blutdruck eine große Variabilität und unterliegt ständigen Fluktuationen. Dies ist z. T. Ausdruck spontaner Oszillationen im hohen Frequenzbereich, die aber im Alltag nicht erfasst werden können und auch keine klinische Relevanz haben. Klinisch sehr bedeutend sind dagegen Rhythmen, die zirkadianen, saisonalen und anderen Einflüssen unterliegen. Normalerweise verläuft der Blutdruck trotz der vielfältigen Einflüsse wohl strukturiert in der Zeit. Dies kommt insbesondere im klinisch relevanten Tag-Nacht-Rhythmus zum Ausdruck. Die Blutdruckvariabilität und der Blutdruckrhythmus bestimmen neben der Blutdruckhöhe das Ausmaß der Endorganschäden, der Morbidität und Mortalität. Aus klinischer Sicht hat der Tag-Nacht-Rhythmus des Blutdrucks (zirkadianer Rhythmus) die größte Bedeutung. Dieser Rhythmus ist nicht angeboren, sondern er entwickelt sich erst im Laufe der ersten Lebenswochen über einen zunächst ungeordneten Rhythmus, der primär von der Aktivität im Zusammenhang mit dem Füttern abhängt. Mit der Entwicklung eines ausgeprägten Tag-Nacht-Rhythmus mit kontinuierlichem Wechsel von Aktivitäts- und Schlafphasen entwickelt sich auch ein zirkadianer Rhythmus des Blutdrucks.
Der zirkadiane Bluldruckrhythmus verläuft bei Hypertonikern nach den gleichen zeitlichen Charakteristika wie bei Normotonikern, allerdings auf höherem Niveau. Mit der Einführung der ABDM in den klinischen Alltag ist eine sehr differenzierte Charakterisierung verschiedener Hochdruckformen aufgrund des zirkadianen Blutdruckverlaufs möglich geworden. Es wurde eine völlig neue Phänomenologie eingeführt, die große diagnostische und prognostische Bedeutung und therapeutische Konsequenzen hat. Vor allem die Normabweichungen des Blutdrucks in der Nacht und ein überschießender morgendlicher Biutdruckanstieg haben besonderes Interesse hervorgerufen. Eine nächtliche Hypertonie findet man bei Patienten mit sekundären Hypertonieformen und/oder hypertensiven Organschäden2. Es scheint heute so, dass eine optimale Organperfusion von Hirn, Herz und Nieren ganz offensichtlich nur innerhalb bestimmter Blutdruck-
grenzen insbesondere in der Nacht gewährleistet ist. Überschreitung der Grenzen nach oben, insbesondere eine verminderte Absenkung des Blutdrucks in der Nacht oder sogar höhere Werte als am Tage (non-dipper oder inverted dipper), erhöht das Risiko für Organschäden und geht mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität einher im Vergleich zu Hypertonikern mit normaler nächtlicher Blutdrucksenkung4. Es gibt aber auch Hinweise dafür, dass vor allem bei älteren Patienten mit manifester Koronar- und Zerebralsklerose ein zu starker Blutdruckabfall (extreme dipper) in der Nacht mit einer Zunahme myokardialer und zerebraler Ischämien einhergeht1,5. Es besieht offensichtlich eine U-förmige Beziehung zwischen nächtlichem Blutdruck und Organischämie, wobei der Umschlagpunkt wahrscheinlich bei 70 mm Hg diastolisch als Mittelwert der Nachtperiode aus der ABDM liegt. Interessanterweise findet man bei jungen Patienten mit Praxishypertonie3, aber noch ohne eine manifeste Hypertonie, in der ABDM eine im Vergleich zu Normotonikern stärkere nächtliche Blutdrucksenkung (superdipper). Die Praxishypertonie ist eine sehr häufige Vorstufe einer manifesten Hypertonie. Aus chronopathologischer Sicht schließt sich hier ein Kreis auch wenn nicht zwangsläufig die eine Form in die andere übergeht - vom superdipper (zu Beginn der Hochdruckkrankheit) bis zum extreme dipper im höheren Alter mit isolierter systolischer Hypertonie, über das Kollektiv der non-dipper und inverted dipper, welche die größte therapeutische Herausforderung darstellen.
Definitionen Normal dipper: nächtliche Blutdrucksenkung > 10% und < 20% des Tagesmittelwertes der ABDM.
Non-dipper: nächtliche Blutdrucksenkung > 0% und < 10% des Tagesmittelwertes der ABDM.
Inverted dipper: < 0% des Tagesmittelwertes der ABDM bzw. nächtlicher Blutdruckanstieg.
Extreme dipper: nächtliche Blutdrucksenkung > 20 % des Tagesmittelwertes der ABDM.
Martin Middeke, München
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| Literatur: 1. Kario K, Pickering Th G, Matsuo T, et al. (2001) Stroke prognosis and abnormal nocturnal blood pressure falls in older hypertensives. Hypertension 38(4): 852–857 [Full text]
2. Middeke M, Schrader J (1994) Nocturnal blood pressure in normotensive subjects and those with white coat, primary, and secondary hypertension. Brit Med J 308: 630–632 [Full text]
3. Middeke M, Lemmer B (1996) Office hypertension: abnormal blood pressure regulation and increased sympathetic activity compared with normotension. Blood Press Monit 1(5): 403–407 [Pubmed Abstract]
4. Ohubo T, Hozawa A, Yamaguchi J et al. (2002) Prognostic significance of the nocturnal decline in blood pressure in individuals with and without high 24-h blood pressure: the Ohasama study. J Hypertens 20(11): 2183–2189 [Pubmed Abstract]
5. Pierdomenico S D, Bucci A, Costantini F et al. (1998) Circadian blood pressure changes and myocardial ischemia in hypertensive patients with coronary artery disease. [Abstract] |
| Bei Rückfragen oder Interesse an Literatur zu diesem Thema stehen wir Ihnen unter der Fax-Nr. 089/57095-126 gerne zur Verfügung. |
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