Journal by FaxMANAGEMENT HYPERTONIE
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Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

5. Jahrgang 2005; Nr. 15

Die U-förmige Beziehung zwischen nächtlichem Blutdruck und Organschäden

Jüngste Untersuchungen zeigen, dass bei Hypertonikern der nächtliche Blutdruck am besten das kardiovaskuläre Risiko voraussagt, gefolgt vom 24-Stunden-Blutdruck, dem Tagesblutdruck und der konventionellen Praxismessung1. Dies betrifft sowohl die systolische als auch die diastolische nächtliche Hypertonie.

Eine optimale Organperfusion von Hirn, Herz und Nieren ist insbesondere in der Nacht ganz offensichtlich nur innerhalb bestimmter Blutdruckgrenzen gewährleistet. Dies gilt besonders für Hypertoniker, ältere Menschen und Patienten mit kardio- und zerebrovaskulären Schäden. Eine Überschreitung der Grenzen nach oben („non-dipper” und „inverted dipper”) erhöht das Risiko für Organschäden und geht mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität einher1,2,5,6,7 im Vergleich zu Hypertonikern mit normaler nächtlicher Blutdrucksenkung („normal dipper”)

Es gibt aber auch Hinweise dafür, dass insbesondere bei älteren Patienten mit manifester Koronar- oder Zerebralsklerose ein zu starker Blutdruckabfall („extreme dipper”) in der Nacht mit einer Zunahme myokardialer und zerebraler Ischämien einhergeht2,3,6. Es besteht offensichtlich eine J- bzw. U-förmige Beziehung zwischen nächtlichem Blutdruck und Organischämie, wobei der Umschlagpunkt wahrscheinlich bei 70 mm Hg diastolisch als Nachtmittelwert aus der ABDM liegt4.

Die Beurteilung des nächtlichen Blutdrucks hat daher bei bestimmten Patientengruppen diagnostische und prognostische Bedeutung und therapeutische Konsequenzen.

Fällt der Blutdruck in der Nacht bei Hypertonikern nicht ab, oder ist die Blutdrucksenkung deutlich vermindert, so ist aufgrund der erhöhten Blutdrucklast über 24 Stunden das Risiko im Vergleich zum „normal dipper” deutlich erhöht. Betroffen sind besonders Patienten mit hypertensiven Organschäden, sekundären Hochdruckformen, therapierefraktärer Hypertonie, Niereninsuffizienz,

Schlafapnoesyndrom und hypertensive Diabetiker. Mit der ABDM können auch Patienten wie z. B. Diabetiker identifiziert werden, die zwar einen normalen Tagesblutdruck haben, aber eine nächtliche Hypertonie.

Patienten mit einer Inversion des zirkadianen Blutdruckrhythmus, also höheren Werten in der Nacht als am Tage, haben in der Regel eine schwere fortgeschrittene Hochdruckkrankheit, oft mit eingeschränkter Nierenfunktion oder anderen schwer wiegenden Organschäden. Das Risiko ist bei diesem Blutdruckverlauf am höchsten im Vergleich mit den anderen nächtlichen Hypertonieformen, da hier die höchste Blutdrucklast über die Zeit auf das Gefäßsystem einwirkt.

Andererseits geht ein zu starker Blutdruckabfall in der Nacht mit einer Zunahme myokardialer und zerebraler Ischämien einher. Ganz ähnlich sind die Zusammenhänge zwischen dem Auftreten zerebraler Ischämien bei alten Patienten, dem nächtlichen Blutdruck und der antihypertensiven Therapie. Die Prävalenz und Inzidenz zerebraler Ischämien ist bei „extreme dipper” und „inverted dipper” am höchsten, bei „normal dipper” am niedrigsten2,3. Unter antihypertensiver Therapie zeigt sich ebenfalls wieder eine U-förmige Beziehung.

Hirnblutungen scheinen häufiger beim non dipper aufzutreten, während Ischämien häufiger beim extreme dipper beobachtet werden2,7

Eine U-förmige Beziehung beschreiben Shimada und Kario6 nicht nur zwischen lakunären Infarkten bei älteren Patienten und dem nächtlichen Blutdruckverhalten, sondern trendmäßig auch bezüglich einer linksventrikulären Hypertophie (n.s.) und Mikroalbuminurie (n.s.) bei diesen Patienten.

Martin Middeke, München

1 Dolan E, Stanton A, Thijs Let al. (2005) Superiority of ambulatory over clinic blood pressure measurement in predicting mortality. The Dublin outcome study. Hypertension 46 (11156-81 [Abstract] 2 Hoshide Y, Kario K, Schwartz JE et al (2002) Incomplete benefit of antihypertensive therapy on stroke reduction in older hypertensives with abnormal nocturnal blood pressure dipping (extreme-dippers and reverse-dippers) Am J Hypertens 15 (10 Pt 1 ): 844-50 [Abstract] 3 Kario K, Pickering Th, Matsuo T et al. (2001) Stroke prognosis and abnormal nocturnal blood pressure fall in older hypertensives. Hypertension 38(4): 852-57 [Full text pdf] 4 Middeke M, von Bielinski C (1996) Antihypertensive Therapie beim Diabetes Historische und aktuelle Aspekte. Mänch Med Wochenschr 138: 749-53 5 Ohkubo T, Hotawa A, Yamaguchi Jet al. (2002) Prognostic significance of the noctumal decline in blood pressure in individuals with and without high 24-h blood pressure the Ohasama study. J Hypertens 20. 2183-89 [Abstract] 6 Pierdomenico D, Bucci A, Costantini F et al (1998) Circadian blood pressure changes and myocardial ischemia in hypertensive patients with coronary artery disease. J Am Coll Cardiol 31(7) 1627-34 [Abstract] 8 Shimada K, Kario K (1997) Altered circadian rhythm of blood pressure and cerebrovascular damage Blood Press Monit 2. 333-338
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