Journal by FaxMANAGEMENT HYPERTONIE
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Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

5. Jahrgang 2005; Nr. 13

Körperliche Aktivität und Sport bei arterieller Hypertonie
Teil II: Praktische Empfehlungen hinsichtlich Auswahl, Dosierung
und Intensitätssteuerung geeigneter Sportarten/Bewegungsformen für Hochdruckpatienten

Grundsätzlich können bei der Hypertonie mit den Schweregraden I-II2 von Anfang an bewegungstherapeutische Maßnahmen allein oder in Kombination mit einer antihypertensiven Pharmakotherapie eingeleitet werden. Das gesundheitssportliche Trainingsprogramm kann in den meisten Fällen in der allgemeinmedizinischen Praxis konzipiert und gesteuert werden. Voraussetzung ist die Durchführung einer sportmedizinischen Diagnostik inkl. Belastungsuntersuchung mit Blut-druck- und EKG-Kontrolle. Anders verhält es sich bei Hypertonieformen mit Schweregrad III2 bzw. bei bereits vorliegenden Begleit- oder Folgeerkrankungen der Hypertonie. Hier sollte vor Einleitung einer Bewegungstherapie eine medikamentöse Blutdruckeinstellung erfolgen bzw. bei Vorliegen von Begleiterkrankungen oder Sekundärkomplikationen eine indikationsspezifische medikamentöse Therapie eingeleitet werden.

Bei der Auswahl einer geeigneten Bewegungsform bzw. Sportart für den Hochdruckpatienten sollte man sich von pauschalen Empfehlungen lösen. Vielmehr ist auch hier ein individualisiertes Vorgehen erforderlich. Wichtige Kriterien für die Gestaltung der Bewegungstherapie sind – neben der körperlichen Belastbarkeit – Motivation, motorische und koordinative Kompetenzen und Vorerfahrungen, das sozioökonomische Umfeld und nicht zuletzt die infrastrukturellen Voraussetzungen für die Durchführung einer bestimmten Sportart/Bewegungsform. Die körperliche Belastbarkeit wird neben dem Alter und Trainingszustand insbesondere durch Begleiterkrankungen bestimmt. Ein häufiger Grund für den Abbruch des neu begonnenen körperlichen Trainings, insbesondere beim Gehen und Laufen, sind orthopädische Probleme im Bereich der unteren Extremitäten, die bei adipösen Hochdruckpatienten besonders häufig sind und in der sportmedizinischen Beratung unbedingt berücksichtigt werden sollten3,4,5,6. Einen groben Überblick über die Eignung verschiedener Sportarten/Bewegungsformen für den Hochdruckkranken gibt folgende Tabelle. Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg einer Bewegungstherapie ist darüber hinaus deren adäquate Dosierung. So sollten pro Woche mindestens drei Trainingseinheiten mit dynamischer Muskelarbeit über einen Zeitraum von mindestens 20 - 30 Minuten, besser 40 - 60 Minuten im aeroben Intensitätsbereich durchgeführt werden, um die o. g. hämodynamischen und metabolischen Nutzeffekte möglichst optimal auszuschöpfen. Ergänzend sollte eine Einheit

Fitnessgymnastik bzw. moderates Kräftigungstraining unter kompetenter Anleitung hinzukommen. Hinsichtlich der Belastungsintensität und deren Steuerung gilt der aerobe Stoffwechselbereich als Zielparameter. Im Idealfall erfolgt die sportmedizinische Festlegung der individuellen, optimalen Belastungsintensität mittels einer geeigneten spiroergometrischen bzw. Laktat-gestützten Leistungsdiagnostik und deren Umsetzung durch Festlegung von Herzfrequenzbereichen mit Monitoring durch Pulsuhren. Für die ärztliche Praxis reicht es in der Regel aus, die Belastungsintensität im Bereich von 60 - 70 % der ergometrischen Maximalleistung festzulegen, vorausgesetzt, es gibt keine medizinischen Kontraindikationen. Die Beachtung des Blutdruckverhaltens unter der Belastung ist naturgemäß besonders wichtig.

Eignung verschiedener Sportarten bei Hypertonie

Gut geeignet:

  • Ausdauersportarten mit geringem bis mittlerem Krafteinsatz (Walking, Nordic-Walking, Laufen, Radfahren, Inline-Skating, Skilanglauf, Schwimmen etc.).
  • Mannschaftsspiele mit geringer körperlicher Belastungsintensität aufgrund modifizierter Durchführung (z. B. Volleyball, Fussball, Soft-Tennis etc.).

Bedingt geeignet, abhängig von der Schwere der Hypertonie, der Begleiterkrankungen sowie der sportlichen Vorerfahrung:

  • Kraft- und Kampfsportarten mit niedrigen bis mittleren Belastungsintensitäten (ohne Pressatmung).
  • Einzelrückschlagspiele mit geringer bis mittlerer Belastungsintensität (Tischtennis, Tennis etc.).
  • Mannschaftsspiele mit mittlerer Belastungsintensität.
  • Ausdauersportarten mit höherem Krafteinsatz, z. B. Rudern.

Ungeeignet:

  • Kraft- und Kampfsportarten mit hohen Belastungsintensitäten.
  • Einzelsportarten und Einzelspiele mit hoher Belastungsintensität (Leichtathletik, Badminton, Squash, etc.).
  • Mannschaftsspiele mit hohen Belastungsintensitäten (Eishockey, Basketball etc.).

Hans-Georg Predel, Köln

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