Journal by FaxMANAGEMENT HYPERTONIE
JOURNAL BY FAX

Ein Projekt des Herz-Kreislauf-Telefons der Hochdruckliga
mit Unterstützung von Servier Deutschland GmbH

Wissenschaftlicher Beirat: G. Bönner, H.-D. Faulhaber, M. Middeke, R. Schmieder, P. Stolte

4. Jahrgang 2004; Nr. 14

Prävalenz der Hypertonie in Deutschland
Seit etwa 35 Jahren werden in Deutschland bevölkerungsbezogene Untersuchungen zur Häufigkeit der arteriellen Hypertonie durchgeführt. Sie zeigten in den 70er Jahren Prävalenzraten, die im europäischen Vergleich im mittleren bis oberen Bereich rangierten. Der niedrige Erfassungs- und Behandlungsgrad der Hypertonie entsprach der Situation in anderen Industrienationen und war Anlass für internationale und nationale Programme zur Hypertonie-Bekämpfung. Untersuchungen, die in 1984/85 und 1994/95 im Rahmen des MONICA-Projektes durchgeführt wurden1, konnten keine Verbesserung der Situation feststellen. Sie zeigten eine im internationalen Vergleich hohe Hypertonieprävalenz in der deutschen Bevölkerung, die auch über diesen Zeitraum etwa konstant blieb. So kann man davon ausgehen, dass jeder zweite Bürger jenseits des 50. Lebensjahres einen Blutdruck von über 140/90 mm Hg aufweist. Ergänzt wird dieser unbefriedigende Zustand dadurch, dass der Erfassungs- und Behandlungsgrad nur geringgradig verbessert wurde. Setzt man die heute international akzeptierten Zielblutdruckwerte von < 140/90 mm Hg als Maßstab, liegt der Prozentsatz der effektiv behandelten Hypertoniker unter 15 % (dabei ist nicht berücksichtigt, dass für Diabetiker und Nierenkranke noch niedrigere Zielblutdruckwerte empfohlen werden).
Zwei Studien haben diese unbefriedigende Lage bestätigt und deutlich gemacht, dass sich auch in den letzten Jahren nicht viel geändert hat.
2003 wurde eine vergleichende Studie zur Hypertonieprävalanz (Daten der Jahre 1997–1999) in sechs europäischen Ländern, in Kanada und den USA veröffentlicht3. Die Hypertonie war nach dieser Studie in Europa häufiger als in Kanada und den USA. Die höchsten Prävalenzraten hatte Deutschland aufzuweisen, z. B. für 35-64-jährige Personen 55,5 % (USA als Vergleich 27,8 %). Auffällig war weiterhin, dass in den europäischen Ländern der altersabhängige Blutdruckanstieg steiler war als in Nordamerika. Der Anteil von Personen, die Antihypertensiva, einnahmen, betrug in Nordamerika 44% und in Europa 27%.
Besonders bedeutsam ist, dass die Hypertonieprävalenz eine enge Korrelation mit der Schlaganfallsterblichkeit der Länder aufweist. Obwohl diese Vergleichsstudie wegen methodischer Probleme in einigen Editorials kritisch beurteilt wurde und in ihrer Aussagekraft eingeschränkt wird, fügt sie sich in ein Gesamtbild ein, das die unbefriedigende Situation der Hypertoniebekämpfung in unserem Land illustriert.
Vor kurzem wurden die Ergebnisse der HYDRA-(Hypertension and Diabetes Risk Screening and Awareness)-Studie publiziert2. Basis dieser Untersuchung war eine repräsentative Stichprobe von 45.125 Patienten aus der medizinischen Grundversorgung, die in 1.912 Arztpraxen an einem Stichtag im Jahr 2001 erfasst wurden. 39 % aller Patienten und 67 % der > 60-Jährigen hatten eine Hypertonie. Davon wurden 84 % antihypertensiv behandelt. Legt man wiederum einen Zielblutdruck von < 140/90 mm Hg zugrunde, entsprechen aber nur 18,7 % diesem Kriterium und sind gut eingestellt.
Welche Schlussfolgerungen sind zu ziehen:
  1. Die offensichtlich bisher unzureichende Akzeptanz der in Leitlinien empfohlenen Zielblutdruckwerte (< 140/90 mm Hg) durch einen Teil der Hausärzte und der Patienten muss verändert werden.
  2. Die unverändert hohe Hypertonieprävalenz in Deutschland fordert die Intensivierung präventiver Maßnahmen (z. B. Gewichtsnormalisierung, körperliche Aktivität etc.).
Auch hier spielt der Hausarzt eine Schlüsselrolle. Die in der HYDRA-Studie ermittelte Konsultationszeit von knapp 7 Minuten pro Patient reicht aber nicht aus, um Verhaltensänderungen zu erreichen. Patientenseminare sind ein Weg, um dieses Problem zu lösen. Grundsätzlich muss aber der gesundheitspolitische Stellenwert der Prävention verbessert werden.

H.-D. Faulhaber, Berlin

Literatur: 1. Gasse C, Hense HW, Stieber J et al. (2001) Assessing hypertension management in the community: trends of prevalence, detection, treatment, and control of hypertension in the MONICA Project, Augsburg 1984-1995. J Hum Hypertens 15: 26-37 [Pubmed Abstract] 2. Sharma AM, Wittchen HU, Kirch W, Pittrow D et al. (2004) High prevalence and poor control of hypertension in primary care: cross-sectional study. J Hypertens 22(3): 479-486 [Abstract] 3. Wolf-Maier K, Cooper RS, Banegas JR et al. (2003) Hypertension prevalence and blood pressure levels in 6 European countries, Canada, and the United States. JAMA 289(18): 2363-2369 [Abstract]
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